DER FILM


Enea ist 29 Jahre alt. Er hat blaue Augen und liebt LKWs. Es gibt nur eine Sache, die Enea noch mehr liebt, und das sind Mädchen. Er selbst bezeichnet sich als „Super Duper Sexy Boy“, doch bisher hat er die Richtige nicht gefunden. Unermüdlich sucht er nach ihr. Eins sollte man über Enea noch wissen: er ist Autist. Auf der Suche nach der großen Liebe machen er und seine zwei besten Freunde Carlo und Alex sich auf den Weg quer durch Europa und finden letztlich mehr als sie sich erhofft hatten… Was als Expedition startet, an deren Ende der Abschied von Eneas Jungfräulichkeit stehen sollte, entwickelt sich schnell zu einer Reise in seine intimste Gefühlswelt und bringt die drei Freunde dazu, ihre eigene Ansichten von Liebe, Freundschaft und Freiheit zu überdenken. Regisseur Carlo Zoratti ist mit (K)EIN BESONDERES BEDÜRFNIS ein Dokumentarfilm gelungen, der mit großer Offenheit von drei Freunden auf einer abenteuerlichen Reise zum Liebesglück erzählt. Mit großer Empathie begleitet der Film seine drei Protagonisten auf diesem sommerlichen Männerausflug, der für alle drei zu einer Entdeckungsreise in die Welt der Gefühle wird. Der Film zeigt auf humorvolle und eindrückliche Weise, wie wichtig es ist, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Dabei will (K)EIN BESONDERES BEDÜRFNIS seine Zuschauer nicht vorrangig für die Belange von Behinderten sensibilisieren. Vielmehr soll der Film zeigen, „wie spannend es sein kann, das Leben mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten“, so Regisseur Carlo Zoratti, der während des Films als langjähriger Freund von Enea und als Regisseur eine Doppelfunktion innehatte. Der Film ist Carlo Zorattis Debüt.

CREW



Regie
Carlo Zoratti

Produzenten
Henning Kamm, Fabian Gasmia, Erica Barbiani

Musik
Dario Moroldo

Kamera
Julián Elizalde

Montage
David Hartmann

Buch
Carlo Zoratti, Cosimo Bizzarri

Ton
Andrea Blasetig


Interview mit Carlo Zoratti


(Drehbuch & Regie)

Wann und warum hast Du die Idee entwickelt, über Enea einen Dokumentarfilm zu drehen?
Vor fünf Jahren traf ich Enea an einer Bushaltestelle in unserer Heimatstadt. Zu dieser Zeit lebte ich schon anderswo und hatte ihn ein paar Jahre lang nicht gesehen. Bei dieser Begegnung an der Bushaltestelle merkte ich, dass er sich inzwischen rasieren musste und es war wirklich dieser Bartwuchs, der mir deutlich machte, dass er jetzt ein Mann war und nicht mehr das ewige Kind, als das ich ihn in Erinnerung hatte.

(K)EIN BESONDERES BEDÜRFNIS fühlt sich an wie ein Roadmovie. War das Reisen von Anfang an mit eingeplant?
Ja, das war von Anfang an klar. In Italien ist Prostitution illegal und Menschen wie Enea, von denen man annimmt, die könnten ihren eigenen Willen nicht artikulieren, werden rechtlich wie Kinder behandelt. Daher ist es für Sie weder möglich, Sex mit einer Prostituierten noch mit einer normalen Person zu haben. So war es für uns der einzige Weg, um Enea zu helfen, sein Bedürfnis zu stillen, das Land zu verlassen.

Wie hat sich eure Freundschaft in den drei Jahren seit Beginn des Filmprojekts verändert?
Unsere Freundschaft ist um einiges enger geworden, schließlich haben wir ganz intime und berührende Situationen zusammen erlebt.




Autismus


Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die im Kindesalter beginnt und durch eine angeborene Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns verursacht wird. Neben Verhaltensauffälligkeiten (z.B. starke Objektbezogenheit oder zwanghafte Wiederholung bestimmter Verhaltensweisen oder Bewegungen) ist bei Betroffenen die Fähigkeit zur sozialen Kommunikation und Interaktion stark beeinträchtigt.



Zugleich können autistische Menschen aber auch hohe Gedächtnis-und Konzentrationsleistungen aufweisen. Die Symptome und Schweregrade von Autismus sind vielfältig und reichen von relativer Verhaltensunauffälligkeit bis zur geistigen Behinderung. Autisten zeichnen sich oft durch einen besonderen Sinn für Kreativität und ungewöhnliche Leistungen aus. Etliche erfolgreiche Künstler, Erfinder oder Unternehmer sind leuchtende Beispiele dafür: Komponisten wie Beethoven und Mozart, Maler wie Michelangelo, van Gogh und Kandinsky, große Naturwissenschaftler wie Albert Einstein, Isaac Newton, Charles Darwin und Marie Curie und auch erfolgreiche Unternehmern wie Steve Jobs sollen Autisten gewesen sein.
So gibt es immer mehr Software-Konzerne, die dieses Potential nutzen und Autisten als Spezialisten einstellen. Als erstes Unternehmen in Deutschland beschäftigt auticon ausschließlich Menschen im Autismus-Spektrum als Consultants im IT-Bereich. auticon sieht das enorme Potential: Mustererkennung, Präzision, Logik, und eine Affinität zur Fehlersuche zählen zu den herausragenden Fähigkeiten von Asperger-Autisten. Dabei vermittelt auticon ihre Consultants an Kunden wie u.a. vodafone, Telekom.


Dr. Peter Schmidt, Autor des SPIEGEL-Bestsellers „Ein Kaktus zum Valentinstag“, über den Film:


»  Der Film dokumentiert, dass auch kindlich wirkende Menschen ganz erwachsene Bedürfnisse haben. Dass auch Autisten sich nach Partnerschaft und Liebe sehnen. Ganz normale, natürliche Bedürfnisse, die jedoch bizarr wirken, wenn diese ein Mensch mit Behinderung hat: Wie kann ein Mensch, der so anders tickt, etwas haben wollen, das Normalität voraussetzt? Folgerichtig werden unübliche Wege erforscht, um das Ziel zu erreichen. Denn die üblichen Wege scheiden aus. Freunde wollen helfen, aber verstehen auch erst so nach und nach, dass da ein ganz natürliches Bedürfnis vorliegt – mehr als nur mechanischer Sex – sondern langlebige Liebe. Die zu finden, bleibt für einen Menschen mit Behinderung eine große Herausforderung – für die meisten sogar eine unerfüllbare Sehnsucht!  «



Dr. Peter Schmidt ist Autist mit einem ausgeprägten Asperger-Syndrom und Autor des SPIEGEL-Bestsellers „Ein Kaktus zum Valentinstag“. Schmidt ist Geowissenschaftler (Diplom-Geophysiker) und IT-Experte mit Schwerpunkt SAP-Software und erfuhr er mit 41 Jahren, dass er Autist ist. Im August 2014 erschien sein neues Buch „Kein Anschluss unter diesem Kollegen - Ein Autist im Job“ im Patmos Verlag. 


MyHandicap-Medienexperte Justin Black über (K)EIN BESONDERES BEDÜRFNIS:


»  Sexualität und Liebe bei Menschen mit Behinderung ist in letzter Zeit ein großes Thema in den Medien. Dabei ist dies gar kein besonderes Bedürfnis, sondern einfach nur menschlich. Es gab schon einige Versuche von Filmschaffenden, sich dieses Themas anzunähern. Mal mehr, mal weniger gelungen. (K)EIN BESONDERES BEDÜRFNIS gehört meiner Meinung nach dabei zu den gelungenen Unternehmungen. Es handelt sich um keine inszenierte Darstellung, die durch die Besetzung der Hauptrollen mit Menschen, die tatsächlich eine Behinderung haben, Authentizität erzwingen will. Dieser Film ist eine liebevolle, intime Dokumentation. Sie begleitet einen wirklichen Menschen und seine wahren Freunde auf einer ganz besonderen Reise. Nicht nur die Protagonisten dieses Films, sondern auch das Publikum lernt dabei etwas, wie ich finde, sehr wichtiges: Für jeden Menschen geht es beim Thema Liebe und Sexualität um sehr viel mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Und es gehört wesentlich mehr dazu, als bloß jemanden zu finden, der mit einem schläft - egal ob mit oder ohne Handicap.  «


Sexualbegleitung – ISBB TREBEL


Mit der Sexualbegleitung soll ratsuchenden Personen ermöglicht werden, eine erfülltere und selbstbestimmte Sexualität zu leben. Das Ziel der Sexualbegleitung ist die reflektierte Persönlichkeitsentwicklung des Kunden bzw. der Kundin. Die Sexualbegleiter gehen für eine begrenzte Zeit eine emotionale Partnerschaft mit den Kunden ein. Dabei können verschiedene Erfahrungen gemacht werden – emotionale genauso wie körperlich-sexuelle. Diese Erfahrungen sollen dem Kunden zu einem besseren Körpergefühl und einem positiveren Selbstbewusstsein verhelfen und ihnen Kenntnisse vermitteln, die es ihnen ermöglichen, im Lebensalltag eine erfülltere Sexualität und Partnerschaft zu erleben.
Die Sexualbegleiter werden vom Kunden je Stunde bezahlt. Dabei werden keine speziellen sexuellen Akte gekauft, sondern eine Zeit der Begegnung. Die Frage, was Sexualbegleiter und Kunde miteinander erleben, entscheidet sich meist erst während der Begegnung. Beide müssen – wie in einer richtigen Partnerschaft – immer darauf achten, wie es dem Gegenüber geht. Rein rechtlich ist Sexualbegleitung eine Form der Prostitution. Prostitution ist in Deutschland legal, solange sie freiwillig stattfindet und frei von sexueller Gewalt und Ausbeutung ist.



In Italien werden Menschen mit einer geistigen Behinderung vor dem Gesetz wie Kinder behandelt und gelten somit als unfähig, ihren eigenen Willen zu artikulieren. Daher wäre es rein rechtlich sogar strafbar, Sex mit Enea zu haben. Keine guten Ausgangsbedingungen also, um die körperliche Liebe zu erkunden. Im Film verlassen Carlo und Alex mit Enea deshalb das Land und reisen schließlich mehr als 1000 km bis ins norddeutsche Trebel, um dort den Psychologen und Sexualberater Lothar Sandfort zu treffen. Dieser leitet dort das Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter.
Die Therapeuten in diesem Institut verstehen sich als Begleiter und Berater, die ihren Gegenüber als gleichberechtigt und ebenbürtig wahrnehmen und eine Begegnung auf Augenhöhe anstreben. Zu dieser Haltung gehört auch, dass die Begleiter Enea von Anfang an klar und deutlich die Rahmenbedingungen ihrer Begegnung skizzieren. So erklärt ihm Ute, eine der Sexualbegleiterinnen, gleich am Anfang, dass sie ihm dabei helfen kann, sexuelle Erfahrungen zu sammeln, aber dass ihre Beziehung nicht von Dauer sein wird: „Ich bin Ute. Ich werde Geschlechtsverkehr mit Dir haben, wenn Du möchtest. Aber ich bin nicht die Frau, die den Rest Deines Lebens mit Dir verbringen wird.“ Enea reagiert auf diese Herangehensweise zunächst verhalten. Man merkt ihm deutlich an, dass er so viel Ehrlichkeit nicht gewohnt ist. Mehr als einmal kämpft er mit den Tränen, doch letztlich gelingt es ihm in der offenen und ehrlichen Atmosphäre des Zentrums und mit Utes Hilfe, das erste Mal in seinem Leben zu erfahren, wie sich die körperliche, sexuelle Begegnung mit einer Frau anfühlt.
Als er nach seinem Aufenthalt in Trebel wieder mit Alex und Carlo Richtung Italien aufbricht, hat Enea viel gelernt und er schafft es, sogar seine beiden Freunde zu verblüffen. Sie fragen ihn nämlich nach seinen Erfahrungen mit Ute und er schwärmt ihnen vor, was seine Begleiterin und er alles ausprobiert haben. Obwohl Enea auf diese Gelegenheit so lange gewartet hat, überrascht er seine Freunde damit, dass er nicht mit Ute geschlafen hat. Auf Alex‘ entgeisterte Frage nach dem Grund für diese Enthaltsamkeit hat Enea eine ebenso souveräne wie klare Antwort: Ute sei eben nicht die Frau seines Lebens.

Vergleich: www.isbbtrebel.de


STATEMENT UTE KOPECKY

(Sexualbegleiterin)

»Die erste Begegnung mit Enea war für mich sehr spannend, aufregend und aufgrund von Eneas Authentizität und Offenheit so sehr berührend, ohne Vorbehalt, alle Wahrnehmungskanäle bereit auf Empfang, überwältigt von der Spontanität und Klarheit Eneas. Er wusste ganz genau, was er suchte und auch zu finden hoffte. Das gegenseitige Abtasten war ehrlich, so ursprünglich und natürlich. Menschen mit besonderen Bedürfnissen tragen oft nicht diese „gesellschaftlichen Masken“, wollen nicht diesen vorgefertigten Rollenbildern entsprechen, haben nicht diese konstruierten Erwartungen an sich selbst, um in Klischees zu passen, um zu gefallen. Enea ist einfach Enea! Das machte das Kennenlernen leicht und unbeschwert. Enea hat mich tief in meinem Herzen berührt! Das besondere an meiner Rolle im Film ist, dass ich mich selbst „gespielt“ habe. In diesem Sinne ist meine Rolle keine Rolle. Eine große Herausforderung beim Filmen waren für mich die Bedürfnisse von Enea, und auch meine eigenen, immer im Auge zu behalten. Es ist ja absolut nicht die Regel, bei dieser Art von Tätigkeit, gefilmt zu werden. Üblicherweise sorge ich für einen geschützten und sicheren Rahmen, in dem Intimität und Berührung mit Respekt und Achtung auf verschiedensten Ebenen in einer Begegnung stattfinden können. Ich glaube, uns allen ist der Spagat gut gelungen. Auf der einen Seite einen passenden Rahmen für Intimität zu schaffen und die notwendige Öffnung, die es braucht, um einen authentischen Film zu drehen, in Einklang zu bringen. Für mein Empfinden hat das gesamte Filmteam immer das möglichste getan, um einen achtsamen Rahmen zu wahren! Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich mit Enea, Carlo, Henning und dem gesamten Filmteam machen durfte. Schön, Teil dieses großartigen Projektes zu sein. Als Beweggründe für meine Arbeit als Sexualbegleiterin sehe ich meine grundsätzlichen Lebenshaltungen und meine wichtigsten Lebensthemen: Was bin ich? Was macht mich aus? Was ist mir in meinem Leben wichtig? Aber auch um die Grundhaltungen meines Lebens wie Respekt, Achtsamkeit, Authentizität, Wärme, Nähe, Berührung, Begegnung, Lebenslust und Lebensfreude, Sinn und Sinnerfüllung. Auch um in meiner Arbeit wahrhaftig leben zu können, eignet sich die LIBIDA-SEXUALBEGLEITUNG® (alpha nova, Fachstelle .hautnah., Kalsdorf/Österreich) ganz besonders gut! Meine Lebenshaltung ist meine Motivation!«

















Schule



Unterrichtsbegleitendes Schulmaterial steht Ihnen hier als Pdf zum kostenfreien DOWNLOAD zur Verfügung.

Herausgeber: Dok Leipzig (V.i.S.d.P.)

Schulvorführungen


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